Die ersten beiden Schulgeschichten sind mit freundlicher Genehmigung der Edition Heitere Poetik dem Geschenkbüchlein
„An unserer Schule ist was los!“ von Edzard Müller entnommen.
Schulgeschichten, aus Lehrersicht geschrieben:
A wie Albert-Schweitzer-Schule von Edzard Müller
S wie Seuche von Edzard Müller
Der Neue von Ferdinand Kirchhoff
Hokuspokus von Ferdinand Kirchhoff
Die Feuertaufe von Ferdinand Kirchhoff
Malzeit von Ferdinand Kirchhoff
Stilblüten aus Aufätzen von Schülerinnen und Schülern:
Echter Stilblütentee 1 von Ferdinand Kirchhoff
Echter Stilblütentee 2 von Ferdinand Kirchhoff
A wie Albert-Schweitzer-Schule
In der Franz-Schubert-Straße in der Nähe des Adenauerplatzes steht ein großes, altes Backsteingebäude. Es hat an der Straßenfront ein breites Portal, ist drei Stockwerke hoch und hat viele Fenster.
Morgens zwischen zehn vor acht und acht Uhr gleicht dieses Gebäude einem Staubsauger. Da saugt es nämlich durch sein Portal viele Jungen und Mädchen und auch ein paar Erwachsene in sich auf. Unmittelbar vor acht ist die Saugkraft besonders groß. Da hechten die letzten Zöglinge mit keuchendem Atem und hängender Zunge noch gerade vor den sich schließenden Türen hinein.
Dann herrscht für eine Dreiviertelstunde Ruhe. Das heißt, wer nahe vor dem Gebäude steht, kann durch einige geöffnete Fenster verschiedenartige Stimmen hören. Aus dem zweiten Fenster von links im ersten Stock hört man es singen: „Im Frühtau zu Berge …" Aus dem dritten Fenster von rechts im zweiten Stock hört man mächtiges Gebrüll. Da schreit jemand: „Was, Hans-Jochen? Schon wieder ohne Hausaufgabe? Das soll dir noch leid tun!" Und aus dem Fenster über dem Portal tönt es im Chor: „Laudo, laudas, laudat..."
Man ahnt es längst: Das Gebäude ist eine Schule. Rechts neben dem Portal ist ein Schild befestigt. Das sieht so aus:
Albert-Schweitzer-Schule
Gesamtschule
Die Albert-Schweitzer-Schule nimmt Jungen und Mädchen ab Klasse 5 auf. Ein Teil der Schüler geht am Ende der Klasse 9 mit dem Hauptschulabschluss ab. Ein anderer Teil verlässt die Schule am Ende der Klasse 10 mit dem Realschulabschluss. Wieder andere besuchen die Schule bis Klasse 13 und schließen mit dem Abitur ab.
Wie gesagt, für eine Dreiviertelstunde ist es in dem Gebäude ziemlich ruhig – bis auf eine Unterbrechung. Plötzlich nämlich öffnet sich ein Fenster im zweiten Stock. Oberstudienrat Brühlke streckt seinen Oberkörper heraus und ruft mit einer Stimme, die noch mehrere Straßen weiter zu hören ist: „Hilfe!"
Aber das braucht uns nicht weiter aufzuregen. Das ist einer von Brühlkes pädagogischen Ticks. Wenn jemand auf die Frage „Wie viel sind drei hoch drei?" mit „vier" antwortet oder so, dann macht er das halt. Anfangs kamen manchmal noch Peterwagen angebraust, und Polizisten stürzten in die Schule. Aber jetzt hat sich jeder in der Straße daran gewöhnt. Meist ist es in der Albert-Schweitzer-Schule recht ruhig. Manchmal geht es aber auch turbulent zu! Schauen wir mal in der 9a nach, was die Mädchen und Jungen da ausgeheckt haben.