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„An unserer Schule ist was los!“ von Edzard Müller:  S wie Seuche   omnilit

Die ersten beiden Schulgeschichten sind mit freundlicher Genehmigung der Edition Heitere Poetik dem Geschenkbüchlein
„An unserer Schule ist was los!“ von Edzard Müller entnommen.

 

Schulgeschichten, aus Lehrersicht geschrieben:

A wie Albert-Schweitzer-Schule  von Edzard Müller

S wie Seuche  von Edzard Müller

Der Neue von Ferdinand Kirchhoff

Hokuspokus von Ferdinand Kirchhoff

Die Feuertaufe von Ferdinand Kirchhoff

Malzeit von Ferdinand Kirchhoff

Stilblüten aus Aufätzen von Schülerinnen und Schülern:

Echter Stilblütentee 1  von Ferdinand Kirchhoff

Echter Stilblütentee 2  von Ferdinand Kirchhoff

S wie Seuche

Rasch breitete sich die Seuche aus.
Zuerst war es nur ein einziger Schüler aus der Klasse 8a, der mit Papierkrampen schoss. Am nächsten Tag waren es zwei, dann vier, acht, sechzehn. Bald war auch die Parallelklasse angesteckt, und die
7. und 9. Klassen zogen nach.

Die Lehrer kämpften verzweifelt dagegen an.
Studienrat Müller tigerte durch den Klassenraum und nahm,
wo er konnte, Gummis und Krampen weg.
Seine Aktenmappe quoll von Schießgeräten und Munition über.
Aber das nützte nichts. Nahm Müller einem Schüler ein Gummi und zwei Krampen weg, hatte dieser bald darauf zwei Gummis und vier Krampen. Müller kämpfte wie Herkules gegen die neunköpfige Hydra. Hatte der Held ein Haupt des Ungeheuers zerschmettert, wuchsen an der Stelle zwei neue Köpfe.

Anders Frau Meyer. Sie versuchte es mit Strenge und Drohungen. „Wenn ich noch einmal jemanden erwische...”
Der Erfolg war gleich null.

Frau Schulze versuchte es mit Erklärungen und appellierte an die Vernunft. „Es ist schon öfters vorgekommen, dass jemand einem Mitschüler ein Auge ausgeschossen hat. Bedenkt doch, wie kostbar
und wichtig das Auge ist!” Doch auch Schulze hatte keinen Erfolg.

Und Lehrer Schmidt? Herr Schmidt machte nichts.
Er hatte seine Erfahrungen. Gegen Dummheit und Krampenschießen – so sagte er sich – kämpfen Götter selbst vergebens. Und er ließ der Sache ihren Lauf.

Als Dr. Blanke mit gewohntem Schwung die Tür zum Klassenraum der 7b aufriss, um eine seiner wohlpräparierten Englischstunden zu erteilen, tobte eine wilde Krampenschlacht. Ein Geschoss flog gerade
in Richtung Tür. Päng! Das Geschoss prallte heftig gegen die Stirn des Pädagogen. Dr. Blanke bekam einen Tobsuchtsanfall. Er schrie etwas von Flegeln, Halunken, Kriminellen, Gangstern, Mördern. Er brüllte,
er werde die Polizei alarmieren. Dabei überschlug sich seine Stimme. Aber auch mit Überschlagen der Stimme kann man keine Seuche eindämmen. Leider!

Es wurde also weitergeschossen.

Dann – nach ein paar Tagen – brach die Seuche in sich zusammen.
Die Zahl der Krampenschützen sank. Bald schossen nur noch zwanzig, dann zehn. Es flog noch ein allerletztes müdes Geschoss.
Dann war die Epidemie zu Ende.

Frau Meyer lächelte wohlgefällig: „Man muss als Lehrer eben streng sein und hart durchgreifen. Die Schüler geben zwar nicht sofort klein bei und schießen noch ein paar Tage. Aber dann führen Strenge und Konsequenz zum Erfolg.”
Frau Schulze aber sprach zu sich: „Man muss eben alles richtig erklären und den Schülern gut zureden. Zwar muss die Wahrheit erst in ihren Köpfen sacken; aber dann sind die Schüler doch einsichtig.”